Fragen und Antworten zur Umsetzung der Geldpolitik

  • Wie setzt die Nationalbank ihre Geldpolitik um?

    Zur Umsetzung ihrer Geldpolitik legt die Schweizerische Nationalbank den SNB-Leitzins fest. Der SNB-Leitzins bildet neben der Definition der Preisstabilität und der bedingten Inflationsprognose das dritte Element im geldpolitischen Konzept (Fragen und Antworten zur geldpolitischen Strategie). Die Nationalbank strebt an, die besicherten kurzfristigen Geldmarktsätze in Franken nahe am SNB-Leitzins zu halten. Der aussagekräftigste dieser Geldmarktsätze ist heute der SARON. Der SNB-Leitzins ersetzt seit dem 13. Juni 2019 im geldpolitischen Konzept das Zielband für den Dreimonats-Libor (London Interbank Offered Rate) in Franken. Der Grund für diese Anpassung ist die abnehmende Relevanz des Libors als wichtigster Referenzzinssatz, weil das zugrundeliegende Geldmarktgeschäft fehlt. Vom 6. September 2011 bis 15. Januar 2015 war die Umsetzung auf den in dieser Periode von der SNB sichergestellten Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro ausgerichtet. Am 18. Dezember 2014 beschloss die Nationalbank, die Guthaben auf den Girokonten mit einem Zins von -0,25% zu belasten. Mit der Ankündigung des Negativzinses wurde auch das damals verwendete Zielband für den Libor erstmals in den negativen Bereich gesenkt und wieder auf seine übliche Breite von einem Prozentpunkt ausgedehnt. Am 15. Januar 2015 senkte die Nationalbank die Verzinsung auf ihren Girokonten auf -0,75% und verschob das Zielband nach unten auf -1,25% bis -0,25%. Der Negativzins wird seit dem 22. Januar 2015 erhoben. Er entspricht zurzeit dem SNB-Leitzins.

  • Was ist der SARON?

    Der SARON (Swiss Average Rate Overnight) ist ein besicherter Tagesgeldzins und basiert auf dem liquidesten Segment am Frankengeldmarkt. Er beruht auf abgeschlossenen Transaktionen und handelbaren Preisstellungen (Quotes) am Interbanken-Repomarkt. In den letzten Jahren hat der SARON in der Schweiz als Referenzzinssatz für Finanzprodukte an Bedeutung gewonnen und ist heute der aussagekräftigste Zins unter den kurzfristigen Geldmarktsätzen.

  • Was ist der Dreimonats-Libor für Frankenanlagen?

    Der Dreimonats-Libor für Frankenanlagen, der täglich in London veröffentlicht wird, entspricht dem getrimmten Mittelwert der von führenden Banken gemeldeten Zinskonditionen für unbesicherte Frankenkredite mit dreimonatiger Laufzeit zwischen Banken. Der Dreimonats-Libor ist seit langem eine wichtige Referenzgrösse für Kreditbeziehungen in der Schweiz und im Ausland und diente der Nationalbank bis 13. Juni 2019 als Referenzzinssatz. Zur Umsetzung ihrer Geldpolitik legte sie ein Zielband für den Libor für dreimonatige Ausleihungen zwischen Banken in Franken fest und hielt den Libor in der Regel in der Mitte des Zielbandes. Da die dem Libor zugrundeliegenden Geldmarktgeschäfte fehlen, verliert er an Relevanz. Die britische Finanzmarktaufsicht wird den Libor nach dem Jahr 2021 nicht mehr unterstützen. In der Schweiz hat sich deshalb die Nationale Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze in Franken, das Gremium, das Reformvorschläge im Inland erarbeitet und die Entwicklungen im Ausland erörtert, für den SARON (Swiss Average Rate Overnight) als Alternative zum Franken-Libor ausgesprochen.

  • Was sind geldpolitische Instrumente?

    Geldpolitische Instrumente sind Geschäfte, mit denen die Nationalbank ihre Geldpolitik umsetzt. Art. 9 des Bundesgesetzes über die Schweizerische Nationalbank (NBG) legt die Geschäfte fest, welche die Nationalbank am Finanzmarkt tätigen darf. Die Nationalbank unterscheidet zwischen Offenmarktoperationen und stehenden Fazilitäten. Bei den Offenmarktoperationen geht die Initiative zum Geschäftsabschluss von der Nationalbank aus, bei den stehenden Fazilitäten setzt die Nationalbank lediglich die Konditionen fest, zu denen die Geschäftspartner Liquidität beziehen können. Zu den regulären Offenmarktoperationen gehören Repogeschäfte und Emissionen von SNB Bills. Auch die am 18. Dezember 2014 beschlossene Verzinsung der Girokonten (gegenwärtig zu einem Negativzins) zählt zu den geldpolitischen Instrumenten (Fragen und Antworten zum Repogeschäft und zu den anderen geldpolitischen Instrumenten). Weitere Instrumente wie zum Beispiel Devisenswaps (Fragen und Antworten zu den Devisenswaps) und Devisengeschäfte stehen bei Bedarf zur Verfügung. Zu den stehenden Fazilitäten gehören die Engpassfinanzierungs- und die Innertagsfazilität. Die Einzelheiten dazu sind in den Richtlinien der Schweizerischen Nationalbank über das geldpolitische Instrumentarium festgehalten.

  • Wie kann die Nationalbank mittels geldpolitischer Instrumente ihre Geldpolitik umsetzen?

    Die Nationalbank setzt ihre Geldpolitik um, indem sie die Liquidität am Geldmarkt in Franken steuert und so das Zinsniveau beeinflusst. Sie legt dabei den SNB-Leitzins fest und strebt an, dass die besicherten kurzfristigen Geldmarktzinssätze in Franken nahe am SNB-Leitzins liegen. Im Fokus steht der SARON, der sich in der Schweiz gegenwärtig als wichtigster Referenzzinssatz für Finanzprodukte etabliert. Die Nationalbank kann die Geldmarktzinssätze indirekt über liquiditätszuführende oder liquiditätsabschöpfende Geldmarktgeschäfte steuern, indem sie deren Volumen und Konditionen beeinflusst. Auch mit der Festlegung des Zinssatzes für die Girokonten bei der Nationalbank nimmt sie Einfluss auf das Zinsniveau am Geldmarkt. Die Wahl des Steuerungsregimes hängt von den geldpolitischen Erfordernissen und der Liquiditätsstruktur des Bankensystems ab. Ist das Bankensystem mit Liquidität tendenziell unterversorgt, führt die Nationalbank über kurzfristige Geldmarktgeschäfte Liquidität zu und erhöht damit die Giroguthaben (Sichtguthaben) der Banken bei der Nationalbank. Im umgekehrten Fall schöpft sie Liquidität über kurzfristige Geldmarktgeschäfte ab und reduziert damit die Giroguthaben der Banken bei der Nationalbank.

    Die Nationalbank kann dem Bankensystem auch über den Kauf bzw. Verkauf von Devisen Liquidität in Franken zuführen bzw. entziehen. Die Geschäfte am Devisenmarkt werden mit einem breiten Kreis von Gegenparteien im In- und Ausland abgeschlossen.

  • Welche Bedeutung haben Giroguthaben und der Geldmarkt?

    Damit eine Bank ihre Zahlungsfähigkeit wahren kann, muss sie jederzeit über genügend Liquidität verfügen. Die liquidesten Aktiven einer Bank sind die Giroguthaben bei der Nationalbank, da diese unmittelbar für Zahlungen zur Verfügung stehen und gesetzliche Zahlungsmittel darstellen. Inländische Banken halten Giroguthaben zur Erfüllung des Mindestreserveerfordernisses. Zudem benötigen Banken Giroguthaben für den Zahlungsverkehr und als Liquiditätsreserve. Die Nationalbank beeinflusst die Giroguthaben, indem sie ihre geldpolitischen Instrumente einsetzt. Zwischen den einzelnen Finanzmarktteilnehmern erfolgt der Liquiditätsausgleich über den Geldmarkt. Dabei stellen Banken mit einem kurzfristigen Anlagebedarf anderen Banken mit einem kurzfristigen Refinanzierungsbedarf die Liquidität mittels Krediten zur Verfügung. Die Kreditgewährung kann dabei auf besicherter oder unbesicherter Basis erfolgen. Die Höhe der Giroguthaben beeinflusst die Aktivität am Geldmarkt. Eine Störung des Geldmarkts beeinträchtigt den Liquiditätsausgleich zwischen den Finanzmarktteilnehmern und kann die Zahlungsfähigkeit der Banken gefährden.

  • Warum sind die Banken daran interessiert, mit der Nationalbank Geldmarktgeschäfte abzuschliessen?

    In der Vergangenheit befand sich das Bankensystem in einem Liquiditätsdefizit, d.h., es benötigte Liquidität. Die Nationalbank setzte ihre Geldpolitik um, indem sie dem Bankensystem jeweils befristete Liquidität zuführte, weswegen die Banken laufend neue Liquidität nachfragen mussten. Über die zugeführte Liquiditätsmenge und den Zinssatz steuerte die Nationalbank so den Geldmarkt und ihren damaligen Referenzzinssatz, den Dreimonats-Libor für Frankenanlagen. Seit 2010 befindet sich das Bankensystem allerdings in einem Liquiditätsüberschuss. Das ausserordentlich hohe Liquiditätsniveau ist auf von der Nationalbank getätigte Devisengeschäfte gegen Franken zurückzuführen.

  • Sind die hohen Sichtguthaben bei der Nationalbank ein Zeichen dafür, dass die Banken das Geld bei der Nationalbank horten, anstatt es in Umlauf zu bringen?

    Die Höhe der totalen Sichtguthaben (Girokonten inländische Banken und übrige Sichtguthaben) bei der Nationalbank kann nur durch die geldpolitischen Operationen der Nationalbank sowie durch den Tausch mit Bargeld verändert werden. Reduziert eine Bank ihr Giroguthaben bei der Nationalbank, fliesst dieser Betrag entweder auf ein anderes Sichtkonto bei der Nationalbank oder in den Notenumlauf. Darum kann auch die Notenbankgeldmenge, die gemäss Definition aus den Girokonten inländischer Banken und dem Notenumlauf besteht, nur von der Nationalbank verändert werden. Inwieweit die vorhandene Liquidität in den Wirtschaftskreislauf kommt, ist aus dem Wachstum der Kredite und Geldmengen zu ersehen.

  • Wer ist bei den geldpolitischen Operationen der Nationalbank zugelassen?

    Bei geldpolitischen Operationen der Nationalbank sind grundsätzlich alle Banken in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein mit Girokonto bei der Nationalbank als Geschäftspartner zugelassen. Andere inländische Finanzmarktteilnehmer wie Versicherungen sowie Banken mit Sitz im Ausland können als Geschäftspartner bei geldpolitischen Operationen zugelassen werden, sofern dafür ein geldpolitisches Interesse besteht und sie zur Liquidität am besicherten Frankengeldmarkt beitragen.

  • Warum stellt die Nationalbank auch Banken im Ausland Liquidität zur Verfügung - betreibt sie ihre Geldpolitik nicht für die Schweiz?

    Der Frankengeldmarkt kennt keine geografischen Grenzen. Der Franken ist eine der wichtigsten Währungen im internationalen Finanzverkehr und wird deshalb auch im Ausland aktiv gehandelt. Es ist folglich auch im Interesse der Schweiz, wenn Banken mit einem Domizil im Ausland ebenfalls an den liquiditätszuführenden bzw. liquiditätsabschöpfenden Geldmarktgeschäften der Nationalbank teilnehmen können.

  • Wie führt die Nationalbank ihre Offenmarktoperationen durch?

    Die Nationalbank kann ihre Offenmarktoperationen im Rahmen von Auktionen oder bilateralen Geschäften durchführen. Die Transaktionen am Geldmarkt werden in der Regel über eine elektronische Handelsplattform abgeschlossen. Auktionen erfolgen entweder in der Form eines Mengentenders oder eines Zinstenders. Beim Mengentender ist der Zinssatz fix, und die Zuteilung erfolgt im Verhältnis der Nachfrage. Erreicht z.B. die Nachfrage das Doppelte des Angebots, erhält jede Bank 50% der von ihr nachgefragten Menge. Beim Zinstender melden die Banken, zu welchem Zinssatz sie welche Menge nachfragen. Die günstigsten Gebote werden berücksichtigt, bis die gewünschte Gesamtmenge erreicht ist. Bei einem Zinstender wird entweder nach dem amerikanischen Verfahren (die berücksichtigten Gebote werden zu dem jeweils offerierten Zins befriedigt) oder nach dem holländischen Verfahren (alle berücksichtigten Gebote zahlen oder erhalten jenen Zins, den der letzte noch berücksichtigte Anbieter genannt hat) zugeteilt bzw. abgeschöpft.

  • Welche Verfahren wendet die Nationalbank für ihre Offenmarktoperationen jeweils an?

    Repoauktionen werden in der Regel in Form des Mengentenders durchgeführt, SNB Bills in Form des Zinstenders mit amerikanischem Zuteilungsverfahren auktioniert. Den Zinstender nach holländischem Zuteilungsverfahren benutzt die Nationalbank nicht für ihre geldpolitischen Offenmarktoperationen. Allerdings auktioniert sie in dieser Form im Auftrag des Bundes die Anleihen der Eidgenossenschaft und die Geldmarktbuchforderungen. Weitere Informationen dazu finden sich unter Primärmarkt Schweizerische Eidgenossenschaft.